Gestern hätte ich fast einen Fehler gemacht.
Eine Klientin stand mit mir auf der Koppel.
Das Pferd wollte sich jedoch nicht führen lassen.
Und dann kam dieser Satz:
„Dieses störrische Vieh hat einfach keinen Respekt.“
Ich spürte sofort, wie sich in mir etwas zusammenzog.
Mein erster Impuls: Verteidigung. Gegenangriff.
Der Klientin klarmachen, dass das Problem wohl eher nicht beim Pferd zu suchen sei.
Doch es kam anders.
Ich hielt inne. Eine Sekunde. Nicht mehr.
Aber genug, um mich zu fragen: Will ich jetzt reagieren oder verstehen?
Ich fragte sie:
„Was genau macht Sie gerade so wütend?“
Ihre Antwort überraschte mich und öffnete einen ganz neuen Raum.
Es ging gar nicht ums Pferd.
Es ging um Kontrollverlust.
Um die Angst, nicht ernst genommen zu werden.
Um alte Muster.
Zwischen Reiz und Reaktion liegt diese eine Sekunde.
Viktor Frankl hatte recht.
In ihr liegt unsere Freiheit.
Die Wahl zwischen Eskalation und Klärung.
Zwischen Rechthabenwollen und Verstehenwollen.
Ich lerne das jeden Tag neu.
Manchmal gelingt es. Manchmal nicht.
Aber immer öfter erinnere ich mich:
Diese Sekunde gehört mir.